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Steigende Energiepreise, steigende Inflation: Lohnt sich ein Kredit jetzt noch?

Michael Müller
Veröffentlicht: April 17, 2026 4 Min.
Redaktionell geprüft Unabhängig

Die Inflationsrate in Deutschland ist im März 2026 auf 2,7 Prozent gestiegen – nach 1,9 Prozent im Februar. Der Haupttreiber sind gestiegene Energie- und Gaspreise infolge des Iran-Konflikts. Für viele Verbraucher stellt sich in diesem Umfeld eine naheliegende Frage: Ist es sinnvoll, jetzt einen Kredit aufzunehmen, oder sollte man besser abwarten?

Die Antwort ist differenzierter als ein einfaches Ja oder Nein – und hängt stark davon ab, wofür der Kredit gebraucht wird und wie die persönliche finanzielle Lage aussieht.

Was steigende Inflation mit Krediten macht

Inflation und Kreditzinsen hängen direkt zusammen. Wenn die Inflationsrate steigt, erhöht sich der Druck auf die Zentralbanken, die Leitzinsen anzuheben oder zumindest nicht weiter zu senken. Höhere Leitzinsen bedeuten höhere Refinanzierungskosten für Banken – und die geben diese Kosten in Form höherer Kreditzinsen an Verbraucher weiter.

Genau das lässt sich aktuell am Markt beobachten. Nachdem die Kreditzinsen von ihrem Höchststand im November 2023 von durchschnittlich 8,48 Prozent bis Anfang 2026 auf rund 6,19 Prozent gesunken waren, ziehen sie im ersten Quartal 2026 wieder leicht an. Bei Baufinanzierungen ist der Anstieg noch deutlicher spürbar. Wer auf deutlich günstigere Konditionen wartet, könnte in eine Falle tappen: Wenn die Inflation weiter steigt und die EZB gegensteuert, könnten die Zinsen in der zweiten Jahreshälfte 2026 höher liegen als heute.

Das Argument für einen Kredit trotz Inflation

In einem inflationären Umfeld verliert Geld real an Wert – das gilt auch für Schulden. Wer heute einen Kredit zu einem fixen Zinssatz aufnimmt und in den kommenden Jahren mit nominal gleichbleibenden Raten zurückzahlt, profitiert davon, dass der reale Wert dieser Raten durch die Inflation sinkt. Das Gehalt steigt in inflationären Phasen häufig mit, die Kreditrate bleibt konstant.

Dieses Argument gilt besonders bei langfristigen, zweckgebundenen Finanzierungen wie Baufinanzierungen oder Autokrediten, bei denen der finanzierte Gegenstand ebenfalls im Wert stabil bleibt oder sogar steigt. Wer eine Immobilie kauft und sich jetzt einen Zinssatz von unter 4 Prozent sichert, könnte im Rückblick eine gute Entscheidung getroffen haben – falls die Zinsen in den nächsten Jahren weiter steigen.

Das Argument gegen einen Kredit in der aktuellen Lage

Die andere Seite des Arguments ist ebenso real. Steigende Energiepreise belasten die monatlichen Haushaltsausgaben spürbar. Wer bereits mehr für Strom, Gas und Lebensmittel ausgibt, hat weniger finanziellen Puffer für eine zusätzliche Kreditrate. Ein Kredit, der rechnerisch gerade noch tragbar ist, kann bei weiter steigenden Lebenshaltungskosten schnell zur Belastung werden.

Hinzu kommt: Wer einen Kredit für Konsum aufnimmt – also für Urlaub, neue Elektronik oder andere nicht notwendige Ausgaben – zahlt in einem inflationären Umfeld doppelt drauf. Der Zinssatz ist höher als in Niedrigzinsphasen, und der reale Wert des konsumierten Gutes sinkt. In solchen Fällen gilt es, ehrlich zu prüfen, ob die Ausgabe wirklich notwendig ist oder ob sie sich mit etwas Geduld aus eigenen Mitteln finanzieren lässt.

Für wen sich ein Kredit jetzt trotzdem lohnt

Ein Kredit ist in der aktuellen Lage dann sinnvoll, wenn er einen klar definierten Zweck erfüllt, die monatliche Rate dauerhaft und bequem tragbar ist und das Zinsniveau im Vergleich zu möglichen Alternativen günstig erscheint. Konkret trifft das auf folgende Situationen zu.

Wer einen Altkredit mit hohem Zinssatz aus der Hochzinsphase 2022 oder 2023 noch laufen hat, kann durch eine Umschuldung auf aktuelle Konditionen trotz gestiegener Zinsen oft noch Geld sparen – denn der Abstand zwischen damaligen Höchstständen und dem heutigen Marktniveau ist nach wie vor erheblich. Wer eine Baufinanzierung plant und eine passende Immobilie gefunden hat, sollte nicht auf sinkende Zinsen spekulieren, sondern das aktuelle Niveau durch einen Abschluss sichern. Und wer dringend notwendige Anschaffungen wie eine Heizungssanierung oder ein Fahrzeug für den Arbeitsweg finanzieren muss, für den ist ein gut verhandelter Ratenkredit oft die kostengünstigere Alternative zum Dispo.

Was kein guter Zeitpunkt für einen Kredit ist

Wer hingegen in erster Linie auf sinkende Zinsen spekuliert und abwartet, ohne eine konkrete Verwendung zu haben, braucht keinen Kredit. Und wer merkt, dass die monatlichen Ausgaben durch steigende Energiekosten ohnehin schon eng sind, sollte die eigene Haushaltsrechnung ehrlich prüfen, bevor eine weitere feste Verpflichtung eingegangen wird. Ein Kredit löst keine Liquiditätsprobleme – er verschiebt sie.

Vergleichen bleibt der stärkste Hebel

Unabhängig davon, ob die Zinsen steigen oder fallen: Der Unterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten Kreditangebot am Markt lag in den vergangenen Jahren konstant bei über 40 Prozent. Das bedeutet, dass ein sorgfältiger Vergleich mehrerer Angebote in nahezu jedem Zinsumfeld mehr spart als das Warten auf bessere Zeiten. Wer jetzt einen Kredit braucht, sollte ihn nicht beim erstbesten Anbieter abschließen – sondern vergleichen, Konditionen verhandeln und das Angebot wählen, das wirklich zur eigenen Situation passt.