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Kostenloses Girokonto 2026: So vermeiden Sie unnötige Kosten

Michael Müller
Aktualisiert: April 17, 2026 (veröffentlicht: April 3, 2026) 5 Min.
Redaktionell geprüft Unabhängig

Wer in Deutschland ein Girokonto führt, zahlt dafür nicht zwangsläufig Gebühren. Kostenlose Konten gibt es nach wie vor – allerdings unter Bedingungen, die sich in den letzten Jahren deutlich verändert haben. Während früher Dutzende Banken bedingungslos auf Kontoführungsgebühren verzichteten, hat der Markt in 2026 eine klare Richtung eingeschlagen: Wer kostenlos kontoführen will, muss entweder bestimmte Voraussetzungen erfüllen oder wissen, wo er sucht.

Was ein kostenloses Girokonto heute tatsächlich bedeutet

Ein Girokonto ohne monatliche Kontoführungsgebühr klingt einfacher als es ist. Aktuell gibt es laut Marktrecherche rund 14 Girokonten, die bedingungslos kostenlos geführt werden können – also ohne Mindestgeldeingang, ohne Altersbeschränkung, ohne Nutzungspflicht. Weitere 20 Konten sind unter bestimmten Bedingungen gebührenfrei. Dazu kommen zahlreiche Angebote, die zwar keine Grundgebühr erheben, dafür aber für Karten, Bargeldabhebungen oder Überweisungen auf Papier Gebühren verlangen.

Das wichtigste Prinzip beim Vergleich lautet daher: Die Kontoführungsgebühr ist nur eine von mehreren Kostenarten. Ein Konto mit null Euro Grundgebühr kann unter dem Strich teurer sein als eines mit vier Euro monatlich, wenn dafür Girocard, Abhebungen und bestimmte Services extra kosten. Wer wirklich sparen will, rechnet das Gesamtpaket durch.

Wann ist ein Konto wirklich kostenlos?

Die häufigste Form des kostenlosen Girokontos ist das sogenannte Gehaltskonto. Dabei entfällt die Grundgebühr, sofern monatlich ein bestimmter Mindestbetrag eingeht. Die ING etwa bietet ein kostenloses Girokonto bei einem monatlichen Geldeingang von mindestens 1.000 Euro – für Kunden unter 28 Jahren gilt ein reduzierter Eingang von 700 Euro. Die Comdirect hält das Konto ebenfalls ab 700 Euro monatlichem Eingang gebührenfrei. Die Consorsbank setzt die Grenze bei 700 Euro oder unter 31 Jahren.

Wer diese Bedingungen regelmäßig erfüllt – also ein festes Gehalt, Rente oder regelmäßige Zahlungen auf dem Konto hat – führt sein Konto faktisch kostenlos. Wer die Bedingungen nicht erfüllt oder ein zweites Konto ohne Gehaltseingang sucht, braucht ein Angebot ohne jede Mindestanforderung.

Santander bietet mit dem BestGiro ein Konto ohne jeglichen Mindestgeldeingang und ohne Kontoführungsgebühren an. Auch Trade Republic führt ein Konto ohne Grundgebühr und zahlt zusätzlich 2,00 Prozent Zinsen auf das Guthaben – ein Modell, das klassische Direktbanken unter Druck setzt.

Direktbank oder Filialbank: Was passt zu wem?

Filialbanken verlangen in der Regel zwischen drei und zehn Euro pro Monat für ein Standardkonto, Ausreißer nach oben liegen laut aktuellen Marktdaten zwischen 15 und 20 Euro monatlich. Das sind auf fünf Jahre gerechnet zwischen 180 und 1.200 Euro – ausschließlich für die Kontoführung. Wer bereit ist, auf den persönlichen Schalterservice zu verzichten, spart diesen Betrag vollständig.

Direktbanken wie ING, DKB, Comdirect oder Consorsbank bieten ihre Konten vollständig digital an. Kontoeröffnung, Überweisungen, Daueraufträge und Kontoauszüge laufen über App oder Onlinebanking. Die Eröffnung ist in der Regel in wenigen Minuten abgeschlossen und erfordert eine Identifikation per VideoIdent oder eID – einen Behördengang braucht es dafür nicht.

Neobanken wie N26 oder Trade Republic gehen noch einen Schritt weiter und bieten rein app-basierte Konten an, die sich besonders für jüngere Nutzer eignen, die ihr Banking vollständig über das Smartphone abwickeln.

Die häufigsten Kostenfallen bei vermeintlich kostenlosen Konten

Girocard oder Debitkarte sind nicht immer inklusive. Bei einigen Anbietern kostet die Girocard extra – etwa zwölf Euro pro Jahr beim Santander BestGiro. Wer also ein Konto ohne Grundgebühr, aber mit Girocard-Kosten wählt, zahlt dennoch einen Jahresbetrag. Immer prüfen, ob die gewünschten Karten im Angebot enthalten sind.

Bargeldabhebungen an fremden Automaten können Gebühren auslösen. Wer bei einem Anbieter mit eingeschränktem Automaten-Netzwerk ist und regelmäßig Bargeld braucht, sollte vorab klären, welche Automaten kostenfrei nutzbar sind. Einige Direktbanken kooperieren mit Supermarktketten wie ALDI oder Rewe, bei denen Kunden kostenlos Bargeld erhalten können.

Dispozinsen sind die teuerste Kostenfalle im gesamten Girokonto-Bereich. Der durchschnittliche Dispozins in Deutschland liegt aktuell bei 11,3 Prozent. Wer das Konto regelmäßig überzieht, zahlt dafür weit mehr als jede Kontoführungsgebühr. Wer dauerhaft im Minus steht, sollte statt des Dispos einen günstigeren Ratenkredit zur Ablösung prüfen – der kostet im Marktdurchschnitt weniger als halb so viel.

Inaktivitätsgebühren und papiergebundene Leistungen können ebenfalls Kosten verursachen. Wer Kontoauszüge postalisch bestellt oder am Schalter eine Überweisung aufgibt, zahlt bei vielen Direktbanken Extragebühren. Das Konto am besten konsequent digital nutzen.

So funktioniert ein Kontowechsel heute

Ein Girokontowechsel ist seit Jahren gesetzlich vereinfacht. Jede Bank ist verpflichtet, auf Wunsch einen kostenlosen Kontowechselservice anzubieten, der alle aktiven Daueraufträge, Lastschriften und Zahlungspartner automatisch auf das neue Konto überträgt. Das neue Institut informiert dabei relevante Stellen wie Arbeitgeber, Versicherungen oder Streaming-Dienste über die geänderte Kontoverbindung – ohne dass der Kontoinhaber selbst jeden Zahlungspartner einzeln anschreiben muss.

Wer den Wechsel eigenständig durchführen möchte, sollte das alte Konto zunächst parallel weiterführen, bis alle Lastschriften und Eingänge auf das neue Konto umgestellt sind. Eine Überschneidungsphase von vier bis sechs Wochen ist dabei üblich.

Sicherheit: Was beim kostenlosen Konto gilt

Kostenlos bedeutet nicht unsicher. Alle Banken, die in Deutschland Girokonten anbieten, unterliegen der gesetzlichen Einlagensicherung. Einlagen bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank sind im Fall einer Bankeninsolvenz geschützt. Direktbanken und Neobanken sind dabei genauso abgesichert wie klassische Filialinstitute.

Beim Online-Banking gilt: SSL-verschlüsselte Datenübertragung und Zwei-Faktor-Authentifizierung sind heute Standard bei allen seriösen Anbietern. Wer sichere Passwörter verwendet und keine Phishing-Mails beantwortet, ist mit einem digitalen Girokonto genauso gut geschützt wie mit einem Schalterbesuch.