Wer noch zur Schule geht und Geld für eine Anschaffung, einen Führerschein oder andere Ausgaben braucht, stößt schnell auf eine ernüchternde Realität: Ein klassischer Bankkredit ist für die meisten Schülerinnen und Schüler nicht zugänglich. Das liegt nicht an bösem Willen der Banken, sondern an einer klaren Rechtslage – und daran, dass die typischen Kreditvoraussetzungen mit der Lebenssituation während der Schulzeit schlicht nicht vereinbar sind. Dieser Ratgeber erklärt, wer tatsächlich einen Kredit bekommen kann, welche Wege es gibt und was smarte Alternativen sind.
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Die rechtliche Grundlage: Warum Minderjährige keinen Kredit bekommen
Der entscheidende Faktor bei einem Kredit für Schülerinnen und Schüler ist nicht der Schülerstatus selbst, sondern das Alter. Das Bürgerliche Gesetzbuch unterscheidet klar: Personen zwischen sieben und 17 Jahren gelten nach § 106 BGB als beschränkt geschäftsfähig. Rechtsgeschäfte, die ohne Zustimmung der gesetzlichen Vertretung abgeschlossen werden, sind schwebend unwirksam. Ein Kreditvertrag, den ein Minderjähriger eigenständig unterzeichnet, hat daher keine rechtliche Grundlage.
Ab dem vollendeten 18. Lebensjahr entfällt diese Einschränkung. Volljährige Schülerinnen und Schüler – also etwa solche, die noch ein Abitur oder eine Berufsfachschule besuchen – können grundsätzlich einen Kredit beantragen, wenn sie die weiteren Voraussetzungen erfüllen. Die Frage des Schülerstatus spielt dabei keine Rolle. Entscheidend sind Volljährigkeit, Einkommen und Bonität.
Wer als Schüler tatsächlich einen Kredit bekommen kann
Volljährige Schülerinnen und Schüler mit eigenem Einkommen haben bei Banken realistische Chancen auf einen Kleinkredit. Das Einkommen kann aus einem Nebenjob, einer geringfügigen Beschäftigung oder einer Ausbildungsvergütung stammen. Je regelmäßiger und höher der Geldeingang, desto größer die Kreditsumme, die beantragt werden kann. In der Praxis sind Kleinkredite zwischen 500 und 5.000 Euro möglich – vorausgesetzt, das Einkommen reicht aus, um die monatliche Rate verlässlich zu bedienen.
Berufsschüler und Auszubildende sind als Kreditnehmer grundsätzlich attraktiver als allgemeinbildende Schüler ohne Einkommen. Sie haben einen Ausbildungsvertrag, ein regelmäßiges – wenn auch geringes – Einkommen und damit eine nachweisbare Zahlungsfähigkeit. Ausbildungsvergütung plus Kontoauszüge der letzten Monate reichen in der Regel als Einkommensnachweis.
Minderjährige Schüler können einen Kredit nur dann in Anspruch nehmen, wenn ein Elternteil oder eine andere volljährige Person als Hauptkreditnehmer oder Bürge einspringt. In diesem Fall läuft der Kredit formal über die erwachsene Person, die für die Rückzahlung haftet. Eine spätere Übertragung des Kredits auf die volljährig gewordene Person ist mit Zustimmung der Bank möglich.
Was Banken bei Schülern prüfen
Die Prüfkriterien unterscheiden sich bei Schülern nicht grundlegend von denen bei anderen Kreditnehmern. Banken schauen auf Volljährigkeit, regelmäßiges und nachweisbares Einkommen, eine saubere Schufa-Auskunft ohne schwerwiegende Negativeinträge, einen festen Wohnsitz in Deutschland sowie ein deutsches Bankkonto.
Das größte Hindernis in der Praxis ist das Einkommen. Wer ausschließlich Schüler ist und keiner bezahlten Tätigkeit nachgeht, hat kein pfändbares Einkommen – und damit keine Grundlage für eine Kreditvergabe. Kein seriöser Kreditgeber vergibt Ratenkredite ohne Einkommen, denn das wäre keine Kreditprüfung mehr, sondern eine Lotterie.
Die Checkliste: Voraussetzungen für einen Kredit als Schüler
☑ Volljährigkeit: Mindestalter 18 Jahre – ohne Ausnahme bei eigenständiger Kreditaufnahme.
☑ Regelmäßiges Einkommen: Nebenjob, Minijob, Werkstudentenstelle oder Ausbildungsvergütung. Ohne nachweisbares Einkommen keine Kreditzusage.
☑ Einkommensnachweis: Kontoauszüge der letzten zwei bis drei Monate und gegebenenfalls ein Arbeitsvertrag oder Ausbildungsvertrag.
☑ Saubere Schufa-Auskunft: Keine schwerwiegenden Negativeinträge. Bei jungen Volljährigen ist die Schufa-Akte in der Regel noch dünn – was neutral, aber nicht negativ ist.
☑ Personalausweis: Gültiger Lichtbildausweis als Identitätsnachweis.
☑ Deutsches Bankkonto: Für Auszahlung und Rateneinzug zwingend erforderlich.
☑ Erreichbare Kredithöhe realistisch einschätzen: Als Orientierung gilt: Die monatliche Kreditrate sollte nicht mehr als ein Drittel des Nettoeinkommens betragen.
Staatlicher Bildungskredit: Die günstige Option für ältere Schüler
Der staatliche Bildungskredit ist ein oft übersehenes Instrument, das speziell für Schülerinnen und Schüler in fortgeschrittenen Ausbildungsphasen konzipiert wurde. Er wird vom Bundesverwaltungsamt in Zusammenarbeit mit der KfW abgewickelt und richtet sich an Personen, die eine nach BAföG förderfähige Ausbildung absolvieren.
Der Bildungskredit kann zusätzlich zu BAföG beantragt werden. Die Gesamtsumme liegt zwischen 1.000 und 7.200 Euro, ausgezahlt als Einmalbetrag oder in monatlichen Raten von bis zu 300 Euro über maximal 24 Monate. Der Zinssatz ist in der Regel günstiger als bei klassischen Ratenkrediten – und besonders attraktiv: Weder Einkommen noch Vermögen der Eltern spielen eine Rolle. Auch die Schufa-Auskunft ist kein Ausschlusskriterium. Die Rückzahlung beginnt erst vier Jahre nach der letzten Auszahlung, was Spielraum für den Berufseinstieg schafft. Sondertilgungen sind jederzeit kostenlos möglich.
KfW-Studienkredit: Für den Übergang in die Hochschulphase
Wer nach der Schule ein Studium aufnimmt und sich frühzeitig um die Finanzierung Gedanken macht, sollte den KfW-Studienkredit kennen. Er wird monatlich in Beträgen zwischen 100 und 650 Euro ausgezahlt und kann das Studium über bis zu 14 Semester begleiten. Ein besonderer Vorteil: Die KfW ist kein Vertragspartner der Schufa – negative Schufa-Einträge führen damit nicht automatisch zur Ablehnung. Rückzahlungen beginnen nach einer tilgungsfreien Phase von in der Regel 23 Monaten nach dem Studienende.
Smarte Alternativen zum klassischen Kredit
Für viele Schülerinnen und Schüler ist kein direkter Bankkredit möglich – aber das bedeutet nicht, dass es keine Lösungen gibt.
BAföG ist die erste Anlaufstelle für alle, die förderungsberechtigt sind. Die Hälfte wird als Zuschuss gewährt, der nicht zurückgezahlt werden muss. Die Bedarfssätze wurden zuletzt angehoben – der Förderhöchstsatz liegt für Studierende aktuell bei 992 Euro pro Monat.
Stipendien müssen nicht zurückgezahlt werden und sind damit finanziell deutlich attraktiver als jeder Kredit. Große Förderwerke wie die Studienstiftung des deutschen Volkes oder politische Stiftungen vergeben Stipendien auf Basis von Leistung, Engagement und Persönlichkeit. Die Bewerbungshürden sind real, aber für viele Schülerinnen und Schüler erreichbar – und der Aufwand lohnt sich.
Nebenjob oder Minijob ist für viele Schüler die pragmatischste Lösung. Ein Minijob bis 556 Euro monatlich ist sozialversicherungsfrei und schafft gleichzeitig die Einkommensbasis, die für eine spätere Kreditaufnahme benötigt wird.
Eltern als Kreditnehmer oder Bürgen ist der häufigste Weg, wenn ein Kredit wirklich notwendig ist und der Schüler noch minderjährig ist. Die Eltern nehmen den Kredit auf und der Schüler wird nach Volljährigkeit als Schuldner eingetragen – mit Zustimmung der Bank ist ein solcher Schuldnerwechsel möglich.
P2P-Plattformen wie Auxmoney verwenden alternative Scoring-Modelle und berücksichtigen auch junge Kreditnehmer ohne umfangreiche Kredithistorie. Sie sind keine Wunderlösung, aber eine realistische Möglichkeit für volljährige Schüler mit kleinem, aber nachweisbarem Einkommen.
Was Schüler vor einem Kreditantrag wissen sollten
Ein Kredit ist immer eine rechtlich verbindliche Verpflichtung. Wer als junger Mensch zum ersten Mal einen Kreditvertrag abschließt, sollte die Bedingungen sorgfältig lesen, die monatliche Rate realistisch mit dem eigenen Einkommen abgleichen und einen Puffer für unerwartete Ausgaben einplanen. Besonders wichtig: Eine Kreditanfrage sollte stets als Konditionsanfrage gestellt werden, nicht als vollständige Kreditanfrage. Konditionsanfragen sind Schufa-neutral und hinterlassen keinen negativen Eintrag – das ist gerade am Anfang der eigenen Kreditgeschichte bedeutsam.
Wer merkt, dass die Kreditvoraussetzungen aktuell nicht erfüllt werden können, fährt oft besser damit, zunächst ein stabiles Einkommen aufzubauen, die Schufa-Akte durch pünktliche Zahlungen zu stärken und dann zu einem späteren Zeitpunkt – mit besseren Ausgangsbedingungen – einen Kreditantrag zu stellen. Geduld ist hier die kostengünstigste Entscheidung.